Cover foto vom Vitamin C Newsletter über foodtech und food innovation. Geschrieben von Lia Carlucci

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Lesezeit: 3:56 min

Guten Morgen,

Willkommen an die neuen Leserinnen und Leser, die sich in den letzten zwei Wochen angemeldet haben. Ihr seid in guter Gesellschaft.

Wie immer habe ich 5 Food Insights, die deine Aufmerksamkeit verdienen.

Hier sind sie:

1. [Science | Report] 🔬 Unter 2 % für Forschung

Zeitstrahl der Nobelpreise in der Ernährungsforschung, gefeatured im Vitamin C Newsletter über Food Trends. Geschrieben von Lia Carlucci.

Diese Folie habe ich bei Ilias Tagkpopoulous (Professor UC Davis) auf der Food Innovation Conference in Zürich gesehen und sie geht mir seitdem nicht aus dem Kopf.

Sie zeigt die Nobelpreise, die aus der Ernährungsforschung hervorgegangen sind:

  • 1929: Eijkman und Hopkins entdecken Vitamine

  • 1937: Szent-Györgyi isoliert Vitamin C

  • 1943: Dam und Doisy entschlüsseln Vitamin K

  • 1964: Hodgkin bestimmt die Struktur von Vitamin B12

  • 1970: Borlaug entwickelt hochertragreichen Weizen gegen den Welthunger

Danach lange nichts.

Als Ernährungswissenschaftlerin kenne ich diese Namen aus dem Lehrbuch.Ich habe mich nur vorher nie gefragt, warum die Liste so alt ist.

Die Antwort steckt im Budget. Laut Ilias investiert Pharma 15 bis 25 % vom Umsatz in Forschung und Entwicklung. Die Foodbranche weniger as 2%.

Wir haben also ein Gesundheitssystem, das an Krankheit verdient. Und eine Lebensmittelindustrie, die Gesundheit gern auf die Verpackung schreibt, aber die Forschung für echte Innovation zu selten finanziert.

Wir sehen das auch in den Produktlaunches: Ballaststoffe in Limos. Riegel mit Kreatin. Das ist Innovation, aber auch nicht wirklich bahnbrechend.

Die gute Nachricht: Ein Feld, das so unterfinanziert ist, hat seine größten Entdeckungen vielleicht noch vor sich.

2. [Insight] 🍊 Der $900-Mio Aperol

Freunde stoßen mit Aperol Spritz an, gefeatured im Vitamin C Newsletter über Food Trends. Geschrieben von Lia Carlucci.

Der Sommer ist vorbei, also schauen wir noch einmal auf seinen Drink #1.

Du weißt schon, welchen.

Aperol wurde 1919 in Norditalien erfunden. Jahrzehntelang blieb er eine regionale Sache. 2003 kaufte die Campari Group die Marke für rund 160 Millionen Dollar.

Die Flasche blieb dieselbe. Was sich änderte, war alles drumherum:

  • Ein gebrandetes Weinglas ersetzte den Tumbler

  • Eine Orangenscheibe ersetzte die Olive

  • Ein Rezept, das sich jeder merken kann: 3 Teile Prosecco, 2 Teile Aperol, 1 Teil Soda

  • Kostenlose Barkeeper-Schulungen und Gratisproben auf Festivals wie Coachella

Auch das Timing half. Prosecco boomte, Drinks mit wenig Alkohol wurden beliebt, das Trinken am Tag bekam einen Namen, und ein orangefarbener Drink sieht auf Instagram gut aus.

Das Ergebnis laut Wall Street Journal: 900 Millionen Dollar Umsatz im letzten Jahr, 26 % des Umsatzes der Campari Group und 1,5 Milliarden servierte Aperol Spritz pro Jahr.

Was ic an der Story spannend finde:

Sie zeigt, wie weit ein 107 Jahre altes Produkt kommen kann, wenn jemand das Ritual drumherum so präzise gestaltet, dass Menschen es überall gleich bestellen, mixen und fotografieren.

3. [Insight] 🛒 Pulver, Jerky-Riegel, Protein-Soda: Beyond Meats neue Einkaufsliste

Beyond Meat Phytosphere Produktpalette, gefeatured im Vitamin C Newsletter über Food Trends. Geschrieben von Lia Carlucci.

Ich bin lange genug in der Startup-Welt, um das Vokabular zu kennen: Stack, Boost, Plattform. Beyond Meat hat in der neuesten Pressemitteilung einiges davon verwendet.

Das Unternehmen hat gerade die Phytosphere gelauncht, ein Portfolio aus Pulvern, Riegeln, Drinks und Burgern, mit dem Menschen pflanzliche Nährstoffe über den Tag verteilt „stacken“ können.

  • Beyond Starmatter, ein Proteinpulver mit Ballaststoffen, Probiotika und Adaptogenen

  • Beyond Starcut, ein Jerky-Riegel mit Myzel und 17 g Protein

  • Beyond Immerse, ein Sprudelgetränk mit 20 g Protein und 5 g Ballaststoffen

  • Beyond Veggie, ein Burger aus mehr als 10 Obst- und Gemüsesorten

Beim letzten musste ich schmunzeln. Beyond Meat wurde 2009 gegründet, um Fleisch nachzubauen. Jetzt verkaufen sie ein Chipotle-Patty aus schwarzen Bohnen.

Die neue Phytosphere-Positionierung ist ein kluger Schachzug. Sie spricht den Protein-Hype, Fibermaxxing und Supplement-Routinen gleichzeitig an.

Die vollständige Pressemitteilung ist hier verlinkt.

4. [Insight] 🐮 Die Urmilch-Story

A2-Milch im Supermarktregal, gefeatured im Vitamin C Newsletter über Food Trends. Geschrieben von Lia Carlucci.

Was haben ein australischer Tennisstar und eine der reichsten Frauen Indiens gemeinsam? Sie trinken A2-Milch.

A-was-Milch, fragst du dich?

Ich hatte auch noch nie davon gehört, bis ich mich letzte Woche mit einem Bekannten unterhalten habe, der gar nicht mehr aufhörte, von den Vorteilen von A2 zu schwärmen.

Also habe ich es mir mal genauer angeschaut:

A2-Milch unterscheidet sich von normaler Milch durch eine einzige Aminosäure im Protein Beta-Casein. Dieser kleine Unterschied verändert, wie sie verdaut wird. Normale A1-Milch setzt ein Peptid namens BCM-7 frei, das mit chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht wird. A2-Milch tut das nicht und wird deshalb als die gesündere, verträglichere Variante verkauft.

Aber die Evidenz ist dünn. Das bayerische Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) hat 21 Studien ausgewertet und konnte keine Empfehlung aussprechen, weil viele Studien methodische Mängel hatten. Und der Laktosegehalt ist identisch, A2 hilft also nicht bei Laktoseintoleranz.

Der Markt wächst trotzdem. Mordor Intelligence erwartet 4,64 Milliarden Dollar dieses Jahr, nach 4,24 Milliarden Dollar 2025.

Ich glaube, A2 sitzt genau dort, wo Darmgesundheit, die Sehnsucht nach „ursprünglichem“ Essen und die Suche nach einer verträglicheren Art von Milchprodukten zusammentreffen.

Die Menschen kaufen ein Gefühl für ihre Verdauung, obwohl die Wissenschaft fehlt, die es wirklich belegt.

 5. [Fun] 😀

Jellycat Berlin Plüschfiguren, gefeatured im Vitamin C Newsletter über Food Trends. Geschrieben von Lia Carlucci.

In Berlin stehen die Leute gerade für eine Bratwurst Schlange. Das allein sind noch keine News.

Aber diese Bratwurst kann man nicht essen. Sie heißt Wilhelm, ist aus Plüsch und wohnt im KaDeWe, Berlins großem Luxuskaufhaus.

Die Marke Jellycat hat dort einen Pop-up im Jahrmarkt-Stil aufgebaut, mit exklusiven Berlin-Figuren: Heinrich Pretzel, eine gebrannte Mandel, ein Eiskaffee und eben Wilhelm, die Bratwurst.

Ich finde es weird und lustig zugleich.

Wenn du in Berlin bist und es dir anschauen willst, kannst du hier einen Slot buchen.

6. [In eigener Sache] 📣 Der 11.11. gehört der Foodbranche

Am 11.11. beginnt in Deutschland der Karneval. Aber alle Food- und Drinks-Gründerinnen und Gründer sollten an diesem Tag unbedingt in Berlin sein.

Denn dort hoste ich zusammen mit FutureFoodCo die F&B Startup Convention.

Ein Tag rund ums Gründen und Skalieren in der Foodbranche: Markteintritt in den Handel, Skalierung im D2C, Bootstrapping und VC-Finanzierung.

Oatly, KoRo, Holy: Jede dieser Marken war irgendwann nur ein Prototyp.

Damit daraus eine erfolgreiche Marke wird, braucht es die richtigen Hersteller, die ersten Listungen im Handel, ein starkes Netzwerk und eine klare Vision.

Genau deshalb bringen wir sie an einem Tag alle zusammen: Gründerinnen und Gründer, Lohnhersteller, Handel und Investorinnen und Investoren.

Ein Raum für echten Austausch, neue Partnerschaften und die Kontakte, die man sich sonst mühsam zusammensuchen müsste.

Es ist genau das Format, das ich mir vor 10 Jahren bei NOURI gewünscht hätte. Deshalb organisieren wir es jetzt selbst!

Alle Infos zum Event hier.

Und wenn du auf diese E-Mail antwortest, schicke ich dir als treue VITAMIN C Leserin und Leser einen Rabattcode.

Ich würde mich freuen, dich dort zu sehen!

Bleib großartig,

Lia

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