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Lesezeit: 3:31 min
Guten Morgen,
es ist Freitag und du liest VITAMIN C 🍋.
Willkommen an die neuen Leserinnen und Leser, die sich in den letzten zwei Wochen angemeldet haben. Ihr seid in guter Gesellschaft.
Wie immer habe ich 5 Insights über Food Trends und Food Business aufgespürt, die ich mit euch teilen möchte.
Hier sind sie:
1. [Insight] 🟣 Nach Ube kommt die lila Tomate

Ein Labor in Norwich (UK) hat einer Tomate zwei Gene aus der Pflanze Löwenmäulchen gegeben. Die Tomate bildet jetzt Anthocyane, dieselben Pigmente wie Blaubeeren, und sieht deshalb lila aus. Die Studie erschien bereits 2008 in Nature Biotechnology, die EU hat damals die Forschung gefördert.
In den USA gab es 2022 und 2023 grünes Licht von USDA und FDA. Dann kam Australien. Seit Kurzem liegt die Tomate dort als “Purple Bliss” im Regal. Der Hersteller meldet: nach einer Woche ausverkauft.
Als Ernährungswissenschaftlerin weiß ich, der Anthocyan-Gehalt lässt sich messen. Ob die Tomate deshalb so gesund ist wie Beeren, hängt aber auch vom Zusammenspiel mit dem Rest der Pflanze ab, und das ist offen.
In der EU ist sie nicht zugelassen. Als Gentechnik-Pflanze bräuchte sie dafür ein eigenes Zulassungsverfahren.
Was ich an der Geschichte interessant finde: Lila ist ohnehin Zeitgeist, erst kam Ube, jetzt die Tomate. Dazu treffen Nährwert-Story im Frischeregal und Gentechnik-Debatte aufeinander, alle zeitgleich.
Der Zeitgeist ist schnell, die Forschung dahinter war es nicht: 18 Jahre liegen zwischen der Studie und dem ersten Regal in Australien. Das zeigt, wie viel Geduld hinter einer Tomate steckt, die in einer Woche ausverkauft ist.
Mehr dazu hier.
2. [Insight] ☕ “Einen normalen Kaffee bitte”

Gestern auf einer Veranstaltung meinte jemand hinter mir an der Kaffeebar: „Einfach einen ganz normalen Kaffee, bitte.“ Der Satz hat mich zum Nachdenken gebracht (während ich genüsslich meinen Cappuccino trank).
Flat White, Cappuccino, Cold Brew. Irgendwann ist der normale Filterkaffee zur Sonderbestellung geworden.
Ich habe das Gefühl, dass im Supermarkt gerade etwas Ähnliches passiert: Premiumisierung, man könnte auch Gentrifizierung sagen. Joghurt, Müsli und Brot gibt es mit High Protein. Die einfache Version rutscht ins unterste Regal. Früher war der Zusatz eine Option. Heute ist die Basis die Ausnahme.
Selbst Klassiker ziehen mit: Kölln verkauft High-Protein-Köllnflocken mit doppeltem Eiweißgehalt, und bei Dr. Oetker gibt es High-Protein-Puddingpulver.
Der Grund: Die Absatzmengen stagnieren, also muss der Preis wachsen, und ein Claim erklärt ihn am günstigsten. Startup-Pioniere werden dafür belohnt. Poppi ging für knapp 2 Mrd Dollar an PepsiCo. Barilla übernahm gerade die better-for-you Mac and Cheese Brand Goodles für 750 Mio Dollar.
Ich bin überzeugt, dass zwischen Eigenmarke und Premium noch Platz ist für eine gut gemachte Basis. Manchmal besteht Innovation nämlich auch darin, das Normale wieder auffindbar zu machen.
3. [Insight] 🪩 Hühner mit Discokugel

In Southampton (USA) gibt es eine Warteliste für Eier. Andere warten auf Kitaplätze oder Altbauwohnungen, dort wartet man auf Eier. Für stolze 43 Dollar für eine 12er Packung, das sind 3,58 Dollar pro Ei.
Casa Milli aus Connecticut liefert blaue, grüne, cremefarbene und braune Eier. Die Hennen bekommen Biofutter mit Kräutern, leben im Stall mit Kronleuchter und Discokugel und heißen Cher, Oprah und Grace Kelly.
Das klingt absurd, aber dahinter liegt ein Konsumtrend: Viele Menschen wollen wissen, wie ein Tier gelebt hat, und sind bereit, dafür zu zahlen. Bei uns in Deutschland gibt die Zahl auf dem Ei Auskunft über die Haltung: 0 für Bio, 1 für Freiland, 2 für Boden.
Die Geschichte aus den Hamptons, einer sehr wohlhabenden Gegend bei New York, ist ein Einzelfall. Als Signal taugt sie trotzdem, weil sie wieder einmal zeigt, wie sehr smartes Storytelling Produkte zu Luxusartikeln macht.
Mehr dazu hier.
4. [Insight] ✈️ Der Keks mit den Flugmeilen

Bei meinem letzten Business-Trip aus London habe ich den Biscoff-Keks eingepackt, den ich im Flugzeug bekommen habe. Ich wusste, dass sich zu Hause jemand darüber freuen wird. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich diese Kekse eigentlich nur aus dem Flugzeug kenne.
Also habe ich ein bisschen recherchiert.
Delta Airlines holte 1986 den belgischen Familienbetrieb Lotus ins Boot. Lotus backte seit 1932 Spekulatius und taufte ihn Biscoff, aus „Biscuit“ und „Coffee“.
Heute serviert Delta 70 Millionen Päckchen im Jahr, und auch viele andere Airlines sind aufgesprungen. Der Umsatz von Lotus lag 2025 bei 1,36 Mrd Euro, 10 % mehr als im Vorjahr.
Was ich daran spannend finde: Es war wahrscheinlich ein unbewusster, aber strategisch kluger Schritt. Go-to-market über den Kaffeemoment im Flugzeug, wo Leute oft ohnehin kein WLAN haben und Zeit, sich mit dem Essen zu beschäftigen.
5. [Fun] 🍏

Was macht man, wenn Apple dein Maskottchen als Produktnamen benutzt?
Man bringt Obst mit.
Duolingo stand vor zwei Wochen vor dem Apple Store an der Fifth Avenue in New York. Es war der Verkaufsstart des iPhone Duo, Apples erstem faltbarem iPhone, ab 1.999 Dollar.
Die grüne Eule, die ebenfalls Duo heißt, trug ein Hemd im Look der Apple-Store-Uniform und schob einen Wagen mit Granny Smith.
Die Äpfel waren gratis, mit Sticker „Do your lesson“ und QR-Code zur App.
Dazu Plakate im minimalistischen Apple-Stil mit „This is Duo“.
Ein Telefon für 1.999 Dollar auf der einen Seite, ein Apfel für 0 Dollar auf der anderen.
Für mich zeigt das, wie gut Food selbst bei Tech-Guerilla-Aktionen funktionieren kann. Hier braucht es kein aufwendiges Produkt, damit Obst Teil einer humorvollen Pointe wird.
Bleib großartig,
Lia

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